ETFs sind die erfolgreichsten Anlageprodukte der letzten Jahrzehnte. Sie sind gebührenmäßig günstig, eine gute Nachricht im völlig überzogenen Provisions- und Gebührenwucher vieler anderer Bereiche der Geldanlage. Sie sind transparent, man weiß jederzeit was drinnen ist. Sie sind handelbar, und zwar täglich. Man kommt also auch wieder schnell und leicht an sein Geld, und zwar unkompliziert, ohne Abschläge und Strafgebühren, und ohne Bindefristen. Die Performance ist transparent, nachvollziehbar und über die letzten zehn Jahre in den meisten Fällen nicht schlechter als aktive Fonds, und in vielen Fällen sogar besser. Es überrascht deshalb auch nicht, dass mittlerweile mehr Geld in Exchange Traded Funds angelegt wird als in aktiv gemanagten Fonds.

ETFs als eigene Anlageklasse

Die Anzahl an ETFs am Markt ist riesig, von sehr klein und spezialisiert bis hin zu groß, breit und allgemein. Die meisten ETFs folgen passiven Algorithmen und Anlagezielen, und andere werden aktiv gemanagt. Die größten ETFs haben mehrere Milliarden Dollar-Equivalente an verwaltetem Vermögen. Sie sind ausgesprochen liquide, und an aktiven Handelstagen wechseln durchaus schon einmal mehrere Millionen Anteile eines einzelnen ETFs den Besitzer. Dadurch haben sich ETFs zur eigenen Anlageklasse entwickelt. Sie bilden ganze Märkte oder Spezialgebiete ab, und sie sind handelbar wie Einzelaktien. Themen großer ETFs reichen von geographischen Schwerpunkten bis hin zu bestimmten Themen wie Technologie, ESG (“environmental, social and governance”), Telekom, Konsumgüter, Volatilität, Dividendentitel, und vieles mehr. Und immer öfter werden ETFs als eigene Anlageklasse in aktive Fonds gepackt.

Aktive Fonds auf passive ETFs

In aktiv gemanagten Fonds wählen Assetmanager anhand ihrer Experteneinschätzung aktiv Einzelinvestments für ein Portfolio aus. Immer mehr aktive Fonds greifen dabei aber nicht mehr auf einzelne Aktien oder Anleihen zurück, sondern investieren in eine Auswahl an ETFs. Aktive Fonds auf passive Fonds sozusagen. Das Prinzip ist nicht neu und lehnt an die mittlerweile kaum noch zu findenden Dachfonds an. Häufig geht es um ein übergeordnetes Thema, das bei Investoren im Trend liegt. In der Vergangenheit waren Asien und Emerging Markets beliebt, Fonds auf den Volatilitätsindex VIX, Immobilienmarkt und Baubranche, breite Aktien- und Bondindizes, und aktuell wird das Umweltthema immer beliebter.

Höhere Gebühren, weniger Transparenz, weniger Liquidität

Investoren in diese aktiven ETF-Portfolien ersparen sich das mittlerweile etwas unübersichtlich gewordene Durchforsten der tausenden ETFs nach brauchbaren Portfolien. Doch aktives Management hat immer seinen Preis, und das nicht nur bei den Gebühren. Es geht auch um Transparenz. Denn aktiv gemanagte Fonds müssen ihre Bestände nicht täglich online veröffentlichen. Sie sind auch nicht jederzeit und täglich handelbar. Dem ein oder anderen Investor mag es trotzdem gefallen, sich in den Händen von Fachleuten zu wissen, die sich um eine regelmäßige Überprüfung und Evaluierung des ETF-Universums kümmern. Aktive ETF-Fonds erfreuen sich deshalb guter Zuwachsraten. Als gute Alternative werden zudem derzeit von mehreren Anbietern ETFs auf ETFs entwickelt, die zumindest das Liquiditäts- und Transparenzproblem lösen dürften.

Aktionärsrechte noch weiter entrückt

Ein bereits lange diskutiertes Manko passiver Investments ist die Nichtausübung von Aktionärsrechten. Ein breiter ETF Fondsinvestor ist zwar indirekt Anteilseigner an einer großen Zahl Unternehmen, kann oder will aber gar nicht auf Hauptversammlungen entscheiden, wie der Kurs des Unternehmens in der Zukunft sein soll. Der typische, passive Anleger ist nicht einmal daran interessiert, was das einzelne Unternehmen genau macht. Der ETF-Anbieter hingegen kann die Aktionärsrechte in der Regel gar nicht ausüben, weil die Kostenbasis so niedrig gehalten wird, dass es einerseits nicht finanzierbar ist, und andererseits auch nicht zur Zielerreichung beitragen würde. Die Strategie ist die automatische Veranlagung in einen Index oder eine Region, ohne Berücksichtigung einzelner Unterwerte. Bei aktiv gemanagten Fonds war das bisher anders. Sie waren sehr wohl daran interessiert, auf Hauptversammlungen ihre Interessen im Sinne der eigenen Anleger zu vertreten. Doch wenn nun auch immer mehr aktive Fonds in passive Anlagen gehen, geben nun auch sie ihre aktive Anteilnahme bei Unternehmen auf. Welche Auswirkungen das haben wird oder gar schon hat ist eine spannende Frage.

Rendite durch ETF Picking?

Die Wahrheit ist, dass es den meisten Investoren nicht um das Wohlergehen eines oder mehrere Unternehmen geht, sondern nur um die eigene Rendite. Aktionärsrechts sind deshalb kein wichtiges Thema. Doch wie steht es um die Rendite aktiver ETF-Fonds? Die gute Nachricht: Sie schneiden deutlich besser ab als damals ihre klassischen Dachfonds-Kollegen. Denn dank der kaum vorhandenen Gebühren in den zugrundeliegenden ETFs kommt es nicht zur bekannten Doppelbelastung durch mehrfache Management-Fees. Durch die breitere Streuung über viele ETFs sinkt zudem das Risikoprofil vieler Fonds auf ETFs. Das wirkt sich positiv auf die risikoadjustierte Rendite aus. Die Verwaltungsgebühren und Transaktionskosten sind dennoch höher als in normalen ETFs, und die Produkte sind nicht für das kurzfristige Parken von Liquiditätsreserven geeignet. Minimum Sales Charges von 3%-7% und Managementgebühren von 1%-2% machen die Sache nicht zum Schnäppchen. Die Rendite der meisten angebotenen Fonds auf ETFs scheint aber in Ordnung zu sein. Wie viel Sinn sie machen muss jeder Investor für sich selbst entscheiden. Wie stark der Zuwachs von den vergleichsweise üppigen Verkaufsprovisionen für Anlageberater gesteuert wird, bleibt ebenfalls eine spannende Frage, die jeder selbst hinterfragen kann.