bannerhk2swAuf diversen Nachrichtenkanälen laufen ihre Werbespots. Anbieter des sogenannten Crowdlendings. In einem der Spots ist ein junger, gut aussehender Mann zu sehen, der in gepflegtem Deutsch sehr dynamisch erklärt, er hätte für die Gründung eines Handwerksbetriebes soundsoviel Euro benötigt, und diese auch tatsächlich zu 8% Verzinsung von vielen privaten Geldgebern bekommen. Dank des Anbieters soundso.
Auf der Internetseite des Anbieters finden sich sogar Renditeversprechen von “bis zu 15,25%”. Und das wohlgemerkt in einem Zinsumfeld, wo Banken bereits Negativzinsen bei der EZB bezahlen und auch Geschäftsbanken über Zinsen unter Null nachdenken. Für Kreditnehmer wird geworben mit einfacher Abwicklung, damit man sich den neuen Wagen, einen Urlaub oder die Hochzeit finanzieren könne. Genau so sehen auch die typischen Kreditgesuche auf der Seite aus. Schorsch1 möchte mit 6000 Euro sein Girokonto ausgleichen und dafür 13,10% Zinsen zahlen. Dann ist da YesYour, der 4600 Euro für die Erfüllung eines nicht näher definierten Wunsches benötigt. Er zahlt nur 8,40% Zinsen. Etienne hingegen zahlt 13.70% auf 4500 Euro, die er für neue Möbel braucht. So geht es weiter. Ein Modelabel will 13900 Euro zu 13,80% für eine Vorfinanzierung, eine Lehramtsstudentin 4800 Euro zu 15% für Lebenshaltung, und so weiter und so fort. Einen Handwerksbetrieb habe ich bei meinem Besuch der Seite nicht gefunden. Allerdings bei vielen Kreditansuchen eine Übersicht jener privaten Geldgeber, die angeblich bereits kleine Beträge zugesichert hatten. Die Pseudonyme klingen wie aus einem Onlinespiel. Hier bietet beispielsweise bei einem Kredit Zorro67 50 Euro, Pumaboy 25 Euro, MrsSummerSmith 25 Euro und Thomas1112 auch nochmal 25 Euro. Als grundauf skeptischer Betrachter des Finanzmarktes schießen mir sofort tausend Fragen durch den Kopf. Gibt es Zorro, Pumaboy und Co wirklich? Wer kontrolliert und reguliert die Sache und kann mir garantieren, dass es hier mit rechten Dingen zugeht? Also recherchiere ich weiter.

Das Geschäftsmodell wird als Alternative zum Bankwesen angepriesen. Die Abwicklung wird aber tatsächlich über eine Onlinebank gezogen. Denn der Betreiber der Vermittlungsplattform hat keine Banklizenz. Er wird vom Ordnungsamt beaufsichtigt, nicht von den Fachexperten der Bafin. Sieht aus wie eine Bank, funktioniert wie eine Bank, ist aber nicht wie eine Bank reguliert und beaufsichtigt.

Crowdlending ist Teil des riesigen Schattenbankensystems. Durch die fehlende Regulierung als Kreditinstitut laufen natürlich kaum Kosten an. Die Gebühren sind trotzdem auf einem satten Niveau. Laut meiner Recherche liegen die Gebühren für Kreditnehmer bei knapp 3% der Kreditsumme. Damit wird dann wohl unter anderem die Fernsehwerbung finanziert. Das Risiko des Ausfalls tragen aber direkt die kleinen Geldgeber. Die dafür mit überproportional hohen Zinsen gelockt werden. Wissen diese von der Korrelation zwischen Risiko und Zinshöhe?

Es muss im Leben nicht immer alles reguliert sein. Und Innovationen wie das Crowdlending (nicht zu verwechseln mit Crowdfunding!) müssen nicht von Grund auf schlecht sein. Aber ist wirklich allen geholfen mit dem Service? Wie ethisch ist es, ein System anzubieten, in dem sich Kreditnehmer, die bei klassischen Banken und Sparkassen als nicht kreditwürdig eingestuft werden, sich noch weiter verschulden können? Sie erhalten auf klassischem Weg keinen Kredit, weil hier die Bank oder Sparkasse das Ausfallrisiko trägt und somit möglicherweise strengere Auswahlkriterien anwendet als ein ungeschulter Privater, der auf den Plattformen sein Geld verteilt. Und wie steht es mit dem privaten Geldgeber? Sollte denn dieser nicht geschützt werden?

Die Frage, wie weit Regulierung im weltweit stetig wachsenden Schattenbankensystem gehen soll, beschäftigt Politiker und Behörden in vielen Ländern. Die Antwort ist nicht immer einfach oder eindeutig. Es stellt sich jedoch für mich die Frage, ob denn nicht alle, die das gleiche Spiel spielen, auch nach den gleichen Regeln spielen sollten. Und unter dem gleichen Schiedsrichter.