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Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die Bafin den Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, von dem Vorwurf entlastet, er hätte von der Manipulation des Libors unter anderem durch Händler seines Instituts gewusst. Solche und ähnliche Schlagzeilen finden wir seit mehreren Jahren in den Medien. Ist der Libor (London Interbank Offered Rate) noch ein vertrauensvoller Referenzzinssatz? Der Libor Skandal zieht sich jetzt bereits über mehrere Jahre. Und noch immer wird der Libor für viele, viele neue Finanzprodukte als Referenzzins verwendet. Anleihen, Kredite, Zinsswaps, Optionen, Swaptions, strukturierte Investments und Corporate Bonds, viele von ihnen beinhalten auch jetzt noch den Libor.

Der Libor (und seine Euro-Variante Euribor) ist jener Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld in verschiedenen Laufzeiten leihen. Dazu werden viele große Banken gefragt, zu welchem Satz sie sich Geld von anderen Banken leihen können, und der Durchschnitt (ohne höchste und niedrigste Werte) ergibt dann – vereinfacht ausgedrückt – den Libor des heutigen Tages. Ob die Banken nun auch die Wahrheit sagen, das wurde bisher nicht überprüft und hätte den Rahmen dieses Services wohl auch gesprengt. Der Libor ist schließlich keine Information einer öffentlichen Stelle, sondern wird von einem Broker gesammelt und zur Verfügung gestellt. Über die Jahre hat sich daraus ein riesiger Markt entwickelt.

Die Diskussion in der Finanzwelt, ob Libor ein zeitgemäßer Referenzsatz ist, begann sogar noch vor Bekanntwerden von Manipulationen beim Fixing des weltweit am häufigsten verwendeten Referenzzinses. Bereits im Jahr 2008, als im Zuge der weltweiten Finanzkrise die Banken untereinander Bedenken über die gegenseitige Bonität bekamen und damit der Libor in schwindelerregende Höhen schoss, gab es heisse Diskussionen, ob man besser Alternativen heranziehen sollte. Eine der bereits damals und auch heute noch vorgeschlagenen Möglichkeiten war die Verwendung des Overnight Index Swap Satzes (OIS) und seiner Euro-Variante Eonia. Der Eonia wird von der Europäischen Zentralbank veröffentlich anhand tatsächlich beobachteter Marktdaten.

Als Hindernis hat sich bisher einerseits die Trägheit der Akteure, aber auch die mangelnde Liquidität des Eonia für Laufzeiten von mehr als zwei Jahren erwiesen. Der Eonia ist leider nach wie vor ein Zinssatz, der am sogenannten „kurzen Ende“ Verwendung findet. Für lange Laufzeiten verlassen sich die Banken nach wie vor auf den Euribor. Darüber, dass dieser nicht besonders geeignet ist, um als Referenzzins für private Häuslbauerkredite und Unternehmerdarlehen verwendet zu werden, herrscht zwar Einigkeit, leider hat sich in der Praxis noch wenig getan.